Böhmerweiher offenbart sich als ökologischer Schatz

Eine kürzlich veröffentlichte „Machbarkeitsstudie“ zum Ausbau dokumentiert unglaubliche biologische Vielfalt am Böhmerweiher

Viele Rote-Liste Arten

Das Böhmerweiher-Areal an der Grenze der Kommunen München, Gröbenzell und Puchheim birgt einen schier unglaublichen biologischen Schatz: über 80 bedrohte Pflanzen- und Tierarten wurden dort nachgewiesen, wie eine Studie offenbart, die kürzlich durch die Gemeindeverwaltung von Gröbenzell der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Dieses massive Vorkommen von Rote-Liste-Arten stellt die Ausbau-Pläne in Frage.  

Entwicklung der Böhmerweiher

Das Areal der beiden Böhmerweiher, die in den Jahren 1937 bis 1976 durch Kiesentnahme entstanden sind, wird seitdem als Ort stiller Erholung ganzjährig von Spaziergängern genutzt und dient in den Sommermonaten in begrenztem Umfang als „wildes“ Badegewässer. Der kleinere östliche Weiher hat über die Jahrzehnte einen Biotopcharakter entwickelt, der größere westliche Weiher unterliegt insbesondere im Sommer einer ungeordneten Erholungsnutzung. Die Stadt München, auf deren Flur das Areal liegt, hat im Jahr 2006 einen gültigen Bebauungsplan erlassen, der die Schaffung eines Naherholungsgebietes Böhmerweiher auf einer Fläche von ca. 27ha vorsieht. 2013 wurde das Areal vom bis dahin privaten Grundbesitzer für insgesamt 1,6 Mio. Euro an die Stadt München und den Erholungsflächenverein (zu je einem Drittel), sowie die Stadt Puchheim und die Gemeinde Gröbenzell verkauft (zu je einem Sechstel).

Der Auftrag der Studie

Der Erholungsflächenverein (Verein zur Sicherstellung überörtlicher Erholungsgebiete in den Landkreisen um München e.V.), der insgesamt 34 Naherholungsgebiete in München und Umgebung betreut, hat im Auftrag der Stadt München (Baureferat Gartenbau) eine „Machbarkeitsstudie zum Ausbau des Böhmerweihers als Badesee“ beauftragt und den Auftrag an das Münchner Ingenieurbüro „Ohnes & Schwarz, Diplomingenieure – Landschaftsarchitekten“ vergeben. Im Rahmen dieser Studie (im folgenden „Machbarkeitsstudie“ genannt) wurden zahlreiche Untersuchungen im Jahr 2009 vorgenommen und ein Abschlußbericht im Jahr 2010 erstellt. Diese Studie wurde bislang nicht veröffentlicht und auch auf Anfrage nicht einsehbar gemacht. Erst zu Beginn des Jahres 2015 hat die Verwaltung der Miteignergemeinde Gröbenzell die Studie ohne Einschränkung der Weitergabe den Gemeinderäten von Gröbenzell zur Verfügung gestellt und damit veröffentlicht. Die Kritiker des Ausbaus zum Badesee, die insbesondere in Gröbenzell zahlreich und von den Gröbenzeller Grünen politisch vertreten werden, hatten zu keiner Zeit Einfluss auf diese Studie, die stattdessen von den Befürwortern eines Ausbaus beauftragt wurde.

Gewaltiger Umfang der Studie

Die Machbarkeitsstudie liegt in Form einer Daten-CD vor, die gewaltige 276 Megabyte Daten umfasst. Alleine die Zusammenfassung „Machbarkeitsstudie Ausbau Badesee Böhmerweiher Schlussbericht 1.2010“ aus dem Jahr 2010 hat 51MByte Datenumfang. Diese Zusammenfassung ist über folgenden Link herunterladbar: https://www.dropbox.com/s/f1qzzdcwpkl9v36/Machbarkeitsstudie%20Ausbau%20Badesee%20B%C3%B6hmerweiher%20Schlussbericht%2001.2010.pdf

Studie dokumentiert 83 Rote-Liste Arten an den Böhmerweihern

Ein detaillierter Blick in die Ergebnisse der Studie offenbart schier unglaubliches: das Vorkommen von insgesamt 83-Rote-Liste-Arten werden belegt, darunter alleine 37 Pflanzenarten (davon 6 wertvollen Arten wilder Orchideen), daneben 12 gefährdete Vogelarten, daneben Reptilien, Amphibien, Libellen, Tagfalter, Laufkäfer, Weichtiere und Großkrebse, sowie Fische und Insekten.

Einige Beispiele seien genannt: die Studie spricht von insgesamt 54 Vogelarten, die im Gebiet der Böhmerweiher nachgewiesen wurden, davon wurden für 17 Arten Brutvorkommen nachgewiesen, bei insgesamt 27 Vogelarten werden Brutvorkommen vermutet. 12 Arten sind Gäste, die im Gebiet nicht brüten, halten sich aber an den Weihern auf. So zum Beispiel der seltene Purpurreiher Ardea purpurea (siehe Bild im Anhang).

Über 200 Libellen einer „vom Aussterben bedrohten Art“ am Böhmerweiher gefunden

Von den 17 ingesamt an den Böhmerweihern nachgewiesenen Libellenarten stehen 5 auf der Roten Liste. Die bedeutendste Art ist die Helm-Azurjungfer, die die höchste Schutzklasse 1 genießt, weil sie weltweit von Aussterben bedroht ist. Von dieser Libellenart wurden an den Ausläufen der  Böhmerweiher über 200 Individuen gefunden (siehe Bild im Anhang und Nachweis im Text der Studie auf Seite 28).

Um nicht Neugierige anzulocken, die eventuell auf der Suche nach seltenen Pflanzen die wertvollen Biotope zertrampeln, wollen wir hier die Pflanzen- und insbesondere die wertvollen Orchideenarten nicht näher beschreiben. 

Aufgrund von Aussagen eines Puchheimer Botanikers, der über die in der Studie genannten Arten hinaus weitere gefährdete Pflanzenarten fotografiert hat und aufgrund von mehreren Sichtungen z.B. des hochgeschützten Eisvogels (Alcedo atthis) im Jahr 2014, steht zu Vermuten, dass die Gesamtzahl der Rote-Liste-Arten nahe hundert liegt.

Die Autoren der Studie fassen Ihr Untersuchungsgebiet Böhmerweiher „als wertvolles Rückzugsareal für zahlreiche früher weit verbreitete Arten. Im Rahmen der eigenen Untersuchungen kann diese Einstufung bestätigt werden. Dabei ist allerdings zu beachten, dass es sich jeweils um Mindestbewertungen handelt. bei weitergehenden Untersuchungen dürfte sich der Wert der jeweiligen Bereiche in der Regel noch erhöhen.“  

Biotope sind sehr empfindlich gegenüber baulichen Eingriffen

Obwohl die Böhmerweiher Sekundär-Biotope sind, also erst durch den Eingriff des Menschen in Ihrer heutigen Form geschaffen wurden, hat sich das Areal durch die vergleichsweise geringe Inanspruchnahme über Jahrzehnte zu einem wertvollen und hochsensiblen Biotop entwickelt. Als Beispiele für diese Sensibilität haben die Autoren der Studie belegt, dass drei geringe bauliche Eingriffe in den letzten Jahren die Zerstörung von wertvollen Arten zur Folge hatte:

Auf Seite 41 wird eine 2009 durchgeführte Räumaktion des westlichen Böhmerweihers beschrieben, „die der naturschutzfachlichen Bedeutung dieses Gewässerabschnitts in keiner Weise gerecht wird“, wie Überreste verendeter Rote-Liste-Arten belegen. Eine der wertvollsten Pflanzenarten im Areal, eine vom Aussterben bedrohte Rote-Liste-Art (Apium repens/kriechender Sellerie) wurde an einer Fundstelle beim Zusammenlauf der beiden Abläufe durch eine unfachgemäßen Wasserbaumaßnahme (Einbau eines Drahtschotterkastens/Gabione) zerstört (siehe Seite 12). Ein weiterer Eingriff, vermutlich durch einen Landwirt, der im Jahr 2009 eine Biotop-Teilfläche nördlich des großen Weihers mittels Radlader mit Bodenmaterial eines angrenzenden Maisackers verfüllt hat, hat zu einem Verlust von etwa 50% einer 1998 kartierten Biotopfläche geführt.

Der Verlust wertvoller Arten selbst bei kleinen Eingriffen lässt Befürchtungen aufkommen, dass der geplante großflächige Umbau der Böhmerweiher zu einem dramatischen Eingriff in die Biotope führt.  

Die Autoren der Studie, die ja eigentlich die Eignung des Areals belegen sollten, verweisen auch immer wieder auf ökologische Beschränkungen, die man dem Ausbau auferlegen sollte.

Status quo ist nicht dauerhaft haltbar

Dass die Studie insgesamt einer „geordneten Entwicklung und Lenkung des Besucherstroms eher den Vorzug einräumt als der Null-Variante“ hat nach unserer Einschätzung mit der Beauftragung der Studie durch die Stadt zu tun, die ja eine Machbarkeitstudie in Auftrag gibt, um die Machbarkeit nachzuweisen. Zum anderen ist unbestritten, dass aktuell ein großer Teil der Besucherströme in den ökologischen wertvollsten Bereichen des Areals zwischen den beiden Weihern anzutreffen ist. Daher ist eine Lenkung der Besucherströme auf die weniger wertvollen Bereiche des Areals, wie sie die Studie vorschlägt, sicher sinnvoll. Auch eine dauerhafte Lösung des Müllproblems und die Schaffung einer Toilette befürworten wir Grüne. Wir könnten uns für letzteres aber durchaus auch Mobiltoiletten vorstellen, wie sie beispielsweise am Parkplatz der Aubinger Lohe angeboten wird. Um die Hinterlassenschaften der vielen Hunde, die an den Böhmerweihern spazieren geführt werden, in den Griff zu bekommen sind Hundetoiletten sicher eine sinnvolle Lösung. Zudem ist auch für den Erhalt der ökologischen Vielfalt eine Verbuschung der offenen Kiesflächen zu verhindern. Hierzu müssen also dauerhaft landschaftspflegerische Maßnahmen geplant werden.

Ameisen-Kolonien werden zur Besucherlenkung vorgeschlagen

Aufgrund des hohen ökologischen Wertes der Flächen zwischen den beiden Weihern, schlagen wir vor den geplanten um den Großen Böhmerweiher – wenn überhaupt – als aufgeständerten Bretterweg durch die ökologisch wertvollen Areale zu führen, um Trittbelastungen zu vermeiden und die Sensibilität des Areals zu vermitteln. Interessant ist die Idee der Autoren dieser Studie, die vorschlägt, vorhandene Ameisen-Populationen zu nutzen, um bei den Besuchern in den Sommermonaten für die sensiblen Kiesrohboden-Bereiche eine „ameisenbedingte nachhaltige Beruhigung durchzusetzen“.

Ausbau – Dimension überdenken

Die Studie bestätigt die einhellige Meinung, dass der kleinere östliche Weiher der Biotopentwicklung vorbehalten bleiben soll und möglichst wenig zugänglich sein soll. Den großen westlichen Böhmerweiher sieht die Studie als zum Badesee mit geordneter Nutzung entwickelbar an. Dabei müsste aber der Erhalt der naturschutzfachlich bedeutsamen Teilbereiche gesichert sein. Die Studie hat die ökologische Bedeutung der Uferbereiche des großen Böhmerweihers bewertet. Dabei erkennt man, dass die am wenigsten wertvollen Uferbereiche im Norden und Nordwesten des Großen Böhmerweihers liegen: 

Dies deckt sich mit einer Bewertung des Areals um die Weiher. Auch hier sind die wenigsten kritischen Teilflächen im Norden und Nordwesten des Großen Böhmerweihers gelegen:

Vergleicht man das mit der jüngsten vorgelegten Planung für den Ausbau des Böhmerweihers (Planungsvorentwurf 2014 des Erholungsflächenvereins), wird ein sehr rigoroser Umgang mit der Natur geplant: eine Liegeweise von gesamt über 25000qm Fläche soll den gesamten Westen des Großen Böhmerweihers umfassen, im sensiblen Bereich zwischen den beiden Aufläufen soll eine weitere „Liegeweise Nord“ mit 7700 qm, Grillfläche und Beachvolleyball-Plätzen entstehen, die die Besucher zudem in die sensibelsten Areale lenken. Im gesamten Norden und Westen des Großen Böhmerweihers sollen großflächige Abgrabungen stattfinden, um die Wasserfläche zu vergrößern und flache Ufer zu schaffen. Die gestrichelte Linie auf der Wasserfläche stellt dabei den jetzigen Uferverlauf dar und zeigt die gewaltigen Abgrabungen, die der Plan vorsieht, obwohl - so die Studie -  „eine Überarbeitung des Ufers des Großen Böhmerweihers zu erheblichen Schwebstofffrachten im sensiblen Auslaufbereich des Böhmerweihers führen“ wird. 

Bei dieser Planung setzt sich auch der Erholungsflächen über explizite Planungsempfehlungen der Machbarkeitsstudie hinweg: ein „Grillplatz am Nordende der beiden Baggerseen wird zusätzlichen Erholungsdruck in den sensiblen Übergangsbereich der beiden Baggerseen lenken“.

Gewässerqualität bei Hochwasser kritisch

Kritisch für den Ausbau als Badesee sind auch Probleme mit der Wasserqualität insbesondere bei Hochwassersituationen (eine sehr hohe Zahl  fäkalkoliformer Bakterien wurde nach einem Hochwasserereignis in den Zuläufen und im Weiher gemessen).   

Schlussfolgerungen

Als Schlussfolgerung endet die Studie mit dem Satz:
Berücksichtigt man, dass die Nachfrage nach naturbetonten Erholungs- und Freizeitaktivitäten ("Stille Erholung", "Naturerleben", etc.) weiter steigen wird, besitzt gerade der in unmittelbarer Siedlungsnähe gelegene Böhmerweiher-Komplex ein einzigartiges Potential, auf engem Raum ein vielfältiges Erlebnisangebot zu verwirklichen ohne dass dies zu einer Verschlechterung der Biotopqualität seiner naturschutzfachlichen Teilflächen führen muss - umsichtige Planung vorausgesetzt.

Wir Grünen glauben, dass der 2014 vorgelegt Plan des Erholungsflächenvereins alles andere als eine „umsichtige Planung“ ist. In Einklang mit den Autoren der Studie schlagen wir vor, das Areal der Böhmerweiher alternativ zu entwickeln zu einem Naturerlebnisgebiet mit begrenzter Badenutzung. Dazu muss kein großer Eingriff geschehen. Die Besucherlenkung müsste weg von den ökologisch bedeutenden Arealen zwischen den Weihern führen, ein möglicher Weg um den großen Weiher müsste als Bretterweg geführt werden, das Müllproblem müsste durch Aufstellen und regelmäßiges Leeren von Müllbehältern gelöst werden, der Hundekot könnte analog mit Hundetoiletten entsorgt werden. Schilder könnten auf die Entstehung der Weiher und ihre ökologische Bedeutung anhand von Beispielen hinweisen. Auf einen Kiosk, der nach Erfahrungen mit anderen Kiosken an Badeseen nicht rentabel zu führen wäre, könnte verzichtet werden. Der Einsatz von Mobiltoiletten wäre zu überprüfen. Für den Bau einer Wasserwachtstation müsste die Notwendigkeit überprüft werden. Da ein Areal, das überwiegend der Naturerfahrung dienen würden und das im
Nahbereich mehrerer Großgemeinden im Umfeld Münchens liegt, überwiegend mit dem Fahrrad oder zu Fuß erreicht werden kann, sind auch die angedachten 40 Parkplätze unserer Meinung nach unnötig. Eine Badenutzung ist unserer Meinung nach – wenn überhaupt – auf ein kleineres Areal im Nordwesten des Großen Böhmerweihers zu begrenzen.

Würde das Areal der Böhmerweiher, wie von der Studie vorgeschlagen, überwiegend „die steigende Nachfrage nach naturbetonten Erholungs- und Freizeitaktivitäten“ bedienen, so hätte auch der Erholungsflächenverein eine gesellschaftliche Nachfrage bedient und könnte seinem Namen einen neuen Sinn geben: er heißt schließlich Erholungsflächenverein und nicht Badeseeverein.

Mit einem Klick auf das Foto können Sie die Unterschriftenliste herunterladen, mit einem Klick auf den Plan erhalten Sie den Plan in voller Größe!

Klare Mehrheit gegen dritte Startbahn

Eine repräsentative Umfrage im Auftrag des Fernsehsenders SAT1 aus dem Juli 2015 hat ergeben, dass 63% der Bevölkerung im Großraum gegen den Bau der dritten Start- und Landebahn am Flughafen München sind, auch bayernweit haben die Gegner eine Mehrheit. Nur 23 % der Menschen im Raum München sprachen sich für den Bau aus.

Der Landtagsabgeordneter Christian Magerl von den Grünen kommentiert die Umfrage als Signal an die Staatsregierung: "Es ist allerhöchste Zeit, dass dieses Projekt begraben wird" und sieht sich selbst bestätigt: "Es sind eben nicht nur ein paar unverbesserliche Querulanten und Nein-Sager, wie von den Befürwortern stets behauptet wird, sondern die überwältigende Mehrheit der bayerischen Bevölkerung, die keine weitere Landebahn wollen."

Sichtlich lassen sie die Menschen nicht von der Propaganda des Flughafens München vernebeln, der den Ausbau vehement befürwortet, sondern haben einen klaren Blick auf die Tatsachen. Die Zahl der Starts und Landungen liegt laut eigener Statistik des Flughafens München auf dem Niveau von 2004 bei rund 377.000 Starts und Landungen pro Jahr. 2008 waren es 432.000 Flugbewegungen, seitdem geht diese Zahl konstant zurück. Dabei hat der Flughafen für den Ausbau eine Prognose vorgelegt, die für 2015 eine Zahl von 549.000 Flugbewegungen vorsah. Die Prognose liegt also meilenweit daneben, der Bedarf hat sich sogar reduziert. Es ist also an der Zeit sich von einem völlig verfehlten Monsterprojekt zu verabschieden.

  

 

 

 

Gröbenzeller Norden ist lärmgeplagt - Grüne Intiative für Gutachten zur Lärmminderung

Gröbenzell ist im Norden und Osten umgeben von Autobahnen (A8 München-Stuttgart und A99 Eschenrieder Spange) sowie der Güterumgehungsstrecke. Insbesondere bei Nord- und Ostwinden ist der Lärm der Autobahnen und der immer stärker befahrenen Bahnstrecke deutlich im Ort zu hören. Gerade nachts ist dies eine deutliche Lärmbelastung. Dagegen will nun die Gemeinde etwas unternehmen. Auf Initiative der Gröbenzeller Grünen hat der Gemeinderat im Oktober 2015 einstimmig beschlossen, ein Münchner Ingenieurbüro zu beauftragen, um Möglichkeiten zur Verbesserung des Lärmschutzes zu finden. Der Fraktionsvorsitzende der Gröbenzeller Grünen, Markus Rainer, hat als beispielsweise den Austausch der transparenten Lärmschutzelemente an der Überleitung der Eschenrieder Spange durch hochabsorbierende Metallwände ins Gespräch gebracht. Auch gäbe es für die Güterumgehungsstrecke nördlich des Ortes einen ungeklärten Rechtsstatus. Möglicherweise haben auch hier mehr Anwohner als bisher bekannt ein Anrecht auf Lärmschutzmaßnahmen.

Das zweite große Windrad im Landkreis geht in Betrieb

Ende 2014 wurde südlich von Mammendorf die erste großen Windenergieanlage im Landkreis eingeweiht. Trotz ihrer gewaltigen Größe (fast 200 Meter Gesamthöhe), wirkt die Enercon-Windenergieanlage elegant und leicht. Die Anlage produziert Strom für 2000 Haushalte im Jahresmittel wird etwa 1 Prozent des Strombedarfes im gesamten Landkreis durch dieses bislang einzige Windrad erzeugt werden. Im ersten Betriebsjahr lag die produzierte Einspeiseleistung sogar um ca. 3% über der Prognose und widerlegt damit diejenigen Kritiker, die bezweifelt hatten, dass sich Windkraftwerke im Landkreis FFB lohnt.  

Zu Beginn des Jahres 2015 hat bei Malching der Bau der zweiten Windkraftwerkes im Landkreis begonnen, das ebenfalls von Enercon geliefert wird und baugleich mit dem nahen Windrad bei Mammendorf haben wird. Auch dieses Windrad wird etwa 2000 Haushalte mit Strom versorgen. Dieses zweite Windrad geht dieser Tage in den Betrieb. Nach vielen Test wird der Regelbetrieb bis Ende 2015 beginnen und weitere ca. 2000 Haushalte mit Ökostrom zu versorgen.

Auch wenn einige Menschen Befürchtungen vor Windräder haben: anders als vor anderen Kraftwerken, muss niemand vor Windrädern Angst haben. Man hört sie nicht (wenn Sie mehr als etwa 800m von der nächsten Wohnbebauung entfernt sind), man riecht sie nicht (anders als konventionelle Kohlekraftwerke), sie brauchen keine riesigen Flächen (anders als Maisäcker für Biogasanlagen), sie haben anders als Atomkraftwerke kein Unfallrisiko, das ganze Regionen unbewohnbar machen könnte und keine Abfälle, die für hunderttausende von Jahren sicher weggesperrt werden müssen, sie erfordern keinen Umbau von Landschaften (anders als Wasserkraftwerke), sie benötigen keine endlichen fossilen Ressourcen und tragen nicht zum Klimawandel bei. Man kann sie am Ende der Lebensdauer rückstandsfrei zurückbauen und fast vollständig recyceln, sie fördern (anders als Gas- oder Ölkraftwerke) keine russischen oder arabischen Oligarchen, sondern das heimische Handwerk. Noch nicht mal vor hohen Stromkosten durch die Windräder muss man sich fürchten: Windräder produzieren schon heute Strom zu Preisen rund 8 Cent je kWh, sie werden wird langfristig den Strompreis begrenzen statt verteuern. Wovor sollen also die Menschen wegen Windkraft Angst haben? Vor der Störung des Landschaftsbildes durch die hohen Türme? Die Seehofersche 10H-Regelung ist ein absoluter Unsinn, der nur als Verhinderungsinstrument dienen soll. Für den Schutz vor Lärm oder Schattenwurf braucht man keinen Abstand zur Wohnbebauung der das 10fache der Höhe beträgt. Sehen wird man die Windräder aber auch in 2km Entfernung und darüber hinaus.

Was das Landschaftsbild angeht, haben wir die Wahl zwischen hohen Windrädern, die den Strom bei uns produzieren, oder sehr viel mehr Hochspannungsmasten, die einen teuer an Nord- und Ostsee produzierten Offshore-Windstrom, oder gar Braunkohlenstrom quer durch die Republik zu uns bringen. Anders als Windräder erfordern Hochspannungs-Stromtrassen große Rodungsflächen für ihre Schneisen, sie erzeugen gesundheitsgefährdende elektromagnetische Felder und was die Optik von Hochspannungsmasten angeht, sind die allemal hässlicher als Windräder. Hand aufs Herz: möchten Sie lieber neben einem Windrad oder einer Hochspannungsleitung wohnen? Wir haben die Wahl, aber nur, wenn wir nicht jetzt den Umbau der Energieversorgung zerreden wegen diffuser Ängste, die nicht begründet sind. Der Bau der ersten Windräder im Landkreis ist ein Grund zur Freude!

Wir GRÜNEN halten Widerstand gegen den Bau von Windrädern, der zumeist mit fadenscheinigen Begründungen (z.B. der angeblichen Störung von Pilgerwegen) vorgebracht wird, für unredlich und unangemessen. Von allen Energieträgern ist die Energie von Windrädern an Land verträglichste und die kostengünstigste.   

Grünes Antragspaket für ein fahrradfreundliches Gröbenzell

Mit einer ganzen Reihe von Anträgen, die vor Ort mit den Bürgern diskutiert wurden, wollen die Gröbenzeller Grünen die Fahrradfreundlichkeit Gröbenzells steigern. Im August 2015 wurden auf einer Radtour mit Bürgerinnen und Bürgern Stellen besichtigt, die für Radfahrer problematisch sind und mit ihnen über Verbesserungsmöglichkeiten überlegt. Dabei wurden auch die Vorschläge der Grünen präsentiert, die im Oktober 2015 allesamt vom Gröbenzeller Gemeinderat positiv befürwortet werden. Nun erwarten die zeitnahe Umsetzung.

Freyastraße:

Die Radwege entlang der Freyastraße sind jeweils nur als Ein-Richtungs-Wege ausgestaltet. Dies führt dazu, dass Radfahrerin und Radfahrer weite Umwege in Kauf nehmen müssen oder aber – was deutlich häufiger vorkommt – den Radweg in der falschen Richtung benutzen, was ebenso rechtswidrig wie gefährlich ist. Gleichzeitig wird der Fußweg an der östlichen Seite sehr wenig genutzt, und die dortige Raumsituation ist einigermaßen großzügig.

Die Grünen haben beantragt, den Rad-und Fußweg entlang der östlichen Seite der Freyastraße als Zwei-Richtungs-Radweg auszuweisen und gegebenenfalls baulich anzupassen. Wir ersuchen ferner die Verwaltung, zu prüfen, wie die Verkehrssituation am Abgang des Bahnsteiges gelöst werden kann, damit es dort nicht zu Kollisionen zwischen Radfahrern und Fußgängern kommen kann. im Rahmen einer Sanierung der Unterführung 2016 soll diese neue Wegegestaltung erfolgen.

Grünfinkenstraße:

Die Grünen beantragten, den Durchstich von der Freyastraße zur Grünfinkenstraße aufzuweiten und dort eine bequeme Querungsmöglichkeit für Radfahrer und Fußgänger zu schaffen. Der Bürgermeister will dies umsetzen.

Bahnhofstraße:

Wir beantragen, die Fahrradwegebenutzungspflicht in der Bahnhofstraße aufzuheben. Die dortigen Fahrradwege sind sehr eng, und es kommt immer wieder zu gefährlichen Situationen mit unvorsichtigen geöffneten Autotüren. Eine Änderung der Beschilderung ist einfach umzusetzen und würde Radfahrern, die sich auf der Straße sicherer fühlen, erlauben, dies zu tun.

Hans-Sachs-Straße:

Auf Antrag der Grünen soll die Hans- Sachs- Straße als Fahrradstraße ausgewiesen werden. Sie ist eine ideale Fahrradparallele zur Alpen-und Puchheimer Straße und zugleich Schulweg nach Puchheim und zur Bernhard-Rössner-Schule. Eine Entflechtung des Radverkehrs einerseits, der vermehrt auf der Hans-Sachs-Straße fahren soll und des PKW-Verkehrs andererseits, der auf der Alpenstraße vorgesehen ist, würde zu mehr Sicherheit für beide führen.

Radwegmarkierungen:

Wir haben beantragt, sämtliche Radwegmarkierungen (rote Fahrbahnmarkierungen und Fahrrad-Schutzstreifen) zu überprüfen und gegebenenfalls neu zu markieren. Dies ist bereits im Gang. Wir würden uns auch wünschen, in die Schutzstreifen auch Fahrrad-Piktogramme einzuarbeiten, damit für die Autofahrer noch deutlicher wird, dass dort der Platz für die Radfahrer ist.

Olchinger-Straße:

Hier haben wir beantragt, auf der Olchinger Straße einen Fahrradweg vor den Einkaufsmärkten und gegenüber des großen Wertstoffhofes auszuweisen. Fahrradfahrer, die auf dem Gehsteig fahren, haben dort das Problem, dass sie von Autofahrern, die aus den Parkplätzen der Märkte ausbiegen, sehr leicht übersehen werden können. Zugleich werden die dort befindlichen Parkbuchten so gut wie gar nicht genutzt, so dass der Umbau der bestehenden Parkbuchten in Fahrradwege ohne weiteres möglich wäre.

Aktuelle Termine

Mittwoch, 1.2., 20 Uhr PUC Puchheim: Turbo für die Energiewende mit MdB Lisa Badum und Andreas Birzele

Dienstag, 7.2., 20 Uhr, Stammtisch im El Greco, offen für alle Interessierten und Mitglieder

weitere Termine für den Stammtisch hier

Donnerstag, 16.2., KOM Olching, 19:30: Grün bewegt: Grüne Sozialpolitik im Bund, mit MdB Beate Walter-Rosenheimer und Andreas Birzele

Freitag, 24.2.: Jeden letzten Freitag im Monat Friedens-Kundgebung: Solidarität mit der Ukraine, 18 Uhr am Bahnhofsvorplatz Kirchenstraße

Samstag 11.3.: Veranstaltung mit Katharina Schulze im Kino Gröbenzell

Samstag 15.4.: Endgültige Abschaltung AKW Isar II

Sonntag 8.10.: Landtagswahlen in Bayern