Böhmerweiher: ein ökologisches Schatzkästchen

Böhmerweiher Panorama - Foto: A. Zuber

Gewitterstimmung am Böhmerweiher - Foto: Michael Kett

Vorentwurf von 2014 Planung Ausbau der Böhmerweiher

Viele Rote-Liste Arten

Das Böhmerweiher-Areal an der Grenze der Kommunen München, Gröbenzell und Puchheim birgt einen schier unglaublichen biologischen Schatz: über 80 bedrohte Pflanzen- und Tierarten wurden dort nachgewiesen, wie eine Studie offenbart, die 2015 durch die Gemeindeverwaltung von Gröbenzell der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Dieses massive Vorkommen von Rote-Liste-Arten stellt die Ausbau-Pläne in Frage.  

Entwicklung der Böhmerweiher

Das Areal der beiden Böhmerweiher, die in den Jahren 1937 bis 1976 durch Kiesentnahme entstanden sind, wird seitdem als Ort stiller Erholung ganzjährig von Spaziergängern genutzt und dient in den Sommermonaten in begrenztem Umfang als „wildes“ Badegewässer. Der kleinere östliche Weiher hat über die Jahrzehnte einen Biotopcharakter entwickelt, der größere westliche Weiher unterliegt insbesondere im Sommer einer ungeordneten Erholungsnutzung. Die Stadt München, auf deren Flur das Areal liegt, hat im Jahr 2006 einen gültigen Bebauungsplan erlassen, der die Schaffung eines Naherholungsgebietes Böhmerweiher auf einer Fläche von ca. 27ha vorsieht. 2013 wurde das Areal vom bis dahin privaten Grundbesitzer für insgesamt 1,6 Mio. Euro an die Stadt München und den Erholungsflächenverein (zu je einem Drittel), sowie die Stadt Puchheim und die Gemeinde Gröbenzell verkauft (zu je einem Sechstel).

Studie offenbart hochwertvolle Biotope

Der Erholungsflächenverein (Verein zur Sicherstellung überörtlicher Erholungsgebiete in den Landkreisen um München e.V.), der insgesamt 34 Naherholungsgebiete in München und Umgebung betreut, hat im Auftrag der Stadt München (Baureferat Gartenbau) eine „Machbarkeitsstudie zum Ausbau des Böhmerweihers als Badesee“ beauftragt und den Auftrag an das Münchner Ingenieurbüro „Ohnes & Schwarz, Diplomingenieure – Landschaftsarchitekten“ vergeben. Im Rahmen dieser Studie (im folgenden „Machbarkeitsstudie“ genannt) wurden zahlreiche Untersuchungen im Jahr 2009 vorgenommen und ein Abschlußbericht im Jahr 2010 erstellt. Diese Studie mit gewaltigem Umfang wurde 2015 veröffentlicht.  www.dropbox.com/s/f1qzzdcwpkl9v36/Machbarkeitsstudie%20Ausbau%20Badesee%20B%C3%B6hmerweiher%20Schlussbericht%2001.2010.pdf

Studie dokumentiert 83 Rote-Liste Arten an den Böhmerweihern

Ein detaillierter Blick in die Ergebnisse der Studie offenbart schier unglaubliches: das Vorkommen von insgesamt 83-Rote-Liste-Arten werden belegt, darunter alleine 37 Pflanzenarten (davon 6 wertvollen Arten wilder Orchideen), daneben 12 gefährdete Vogelarten, daneben Reptilien, Amphibien, Libellen, Tagfalter, Laufkäfer, Weichtiere und Großkrebse, sowie Fische und Insekten.

Einige Beispiele seien genannt: die Studie spricht von insgesamt 54 Vogelarten, die im Gebiet der Böhmerweiher nachgewiesen wurden, davon wurden für 17 Arten Brutvorkommen nachgewiesen, bei insgesamt 27 Vogelarten werden Brutvorkommen vermutet. 12 Arten sind Gäste, die im Gebiet nicht brüten, halten sich aber an den Weihern auf. So zum Beispiel der seltene Purpurreiher Ardea purpurea (siehe Bild im Anhang).

Über 200 Libellen einer „vom Aussterben bedrohten Art“ am Böhmerweiher gefunden

Von den 17 ingesamt an den Böhmerweihern nachgewiesenen Libellenarten stehen 5 auf der Roten Liste. Die bedeutendste Art ist die Helm-Azurjungfer, die die höchste Schutzklasse 1 genießt, weil sie weltweit von Aussterben bedroht ist. Von dieser Libellenart wurden an den Ausläufen der  Böhmerweiher über 200 Individuen gefunden (siehe Bild im Anhang und Nachweis im Text der Studie auf Seite 28).

Um nicht Neugierige anzulocken, die eventuell auf der Suche nach seltenen Pflanzen die wertvollen Biotope zertrampeln, wollen wir hier die Pflanzen- und insbesondere die wertvollen Orchideenarten nicht näher beschreiben. 

Die Autoren der Studie fassen Ihr Untersuchungsgebiet Böhmerweiher „als wertvolles Rückzugsareal für zahlreiche früher weit verbreitete Arten. Im Rahmen der eigenen Untersuchungen kann diese Einstufung bestätigt werden. Dabei ist allerdings zu beachten, dass es sich jeweils um Mindestbewertungen handelt. bei weitergehenden Untersuchungen dürfte sich der Wert der jeweiligen Bereiche in der Regel noch erhöhen.“  

Biotope sind sehr empfindlich gegenüber baulichen Eingriffen

Der Verlust wertvoller Arten selbst bei kleinen Eingriffen lässt Befürchtungen aufkommen, dass der geplante großflächige Umbau der Böhmerweiher zu einem dramatischen Eingriff in die Biotope führt.  Eine der wertvollsten Pflanzenarten im Areal, eine vom Aussterben bedrohte Rote-Liste-Art (Apium repens/kriechender Sellerie) wurde an einer Fundstelle beim Zusammenlauf der beiden Abläufe durch eine unfachgemäßen Wasserbaumaßnahme (Einbau eines Drahtschotterkastens/Gabione) zerstört (siehe Seite 12). 

Status quo muss dauerhaft gepflegt werden

Eine dauerhafte Lösung des Müllproblems und die Schaffung einer Toilette befürworten wir Grüne. Wir könnten uns dafür letzteres aber durchaus auch Mobiltoiletten vorstellen, wie sie beispielsweise am Parkplatz der Aubinger Lohe angeboten wird. Zudem ist auch für den Erhalt der ökologischen Vielfalt eine Verbuschung der offenen Kiesflächen zu verhindern, die seit einigen Jahren aber auch regelmässig von LBV und Bund Naturschutz als landschaftspflegerische Maßnahmen durchgeführt werden.

Neuplanung wird erwartet

2019 wurde vom Erholungsflächenverein ein neuer Plan den Besitzerkommunen vorgelegt, aber noch nicht öffentlich gemacht. Aus einer Veranstaltung der SPD Ende 2019 ist bekannt, dass die Ausbaupläne moderater gefasst werden, aber dennoch große Liegewiesen und weitreichende Abgabungen für Flachwasserzugänge im Westen des Areals vorgesehen sind. Wir fordern die zügige Veröffentlichung des Plans.

Wir Grünen schlagen vor, das Areal der Böhmerweiher alternativ zu entwickeln zu einem Naturerlebnisgebiet mit begrenzter Badenutzung. Dazu muss kein großer Eingriff geschehen. Die Besucherlenkung müsste weg von den ökologisch bedeutenden Arealen zwischen den Weihern führen, ein möglicher Weg um den großen Weiher müsste als Bretterweg geführt werden, das Müllproblem müsste durch Aufstellen und regelmäßiges Leeren von Müllbehältern und Hundekotboxen gelöst werden. Schilder könnten auf die Entstehung der Weiher und ihre ökologische Bedeutung anhand von Beispielen hinweisen. Auf einen Kiosk, der nach Erfahrungen mit anderen Kiosken an Badeseen nicht rentabel zu führen wäre, könnte verzichtet werden. Für den Bau einer Wasserwachtstation müsste die Notwendigkeit überprüft werden.

Da ein Areal, das überwiegend der Naturerfahrung dienen würden und das im Nahbereich mehrerer Großgemeinden im Umfeld Münchens liegt, überwiegend mit dem Fahrrad oder zu Fuß erreicht werden kann, sind auch die angedachten Parkplätze unserer Meinung nach unnötig. Eine Badenutzung ist unserer Meinung nach – wenn überhaupt – auf ein kleineres Areal im Nordwesten des Großen Böhmerweihers zu begrenzen.

URL:http://www.gruene-groebenzell.de/home/slider-single/article/boehmerweiher_offenbart_sich_als_oekologischer_schatz/