Wohin mit dem Verkehr?

Zusammenfassung der Veranstaltung am 24.9.2019

Der Einladung der Olchinger und Gröbenzeller GRÜNEN zur Veranstaltung im KOM unter dem Titel „Wohin mit dem Verkehr – Moderne Verkehrspolitik für Klimaschutz und Lebensqualität folgten rund 60 Besucherinnen und Besucher. Als Referent geladen war Dr. Markus Büchler, Mitglied des Landtags und Sprecher der GRÜNEN Landtagsfraktion für Mobilität, der sich bereits seit mehreren Jahren diesem Thema verschrieben hat. Bei seinem Überblick über die verschiedenen Verkehrsträger stach besonders hervor, dass die derzeit amtierende Staatsregierung nur den Kraftfahrzeugverkehr im Auge hat. Das zeigt sich in zahlreichen Straßenbauprojekten, die im derzeit gültigen Ausbauplan verzeichnet sind, wie z.B. 4 spuriger Ausbau der B471 oder die Ortsumfahrung Maisach. Das sind alles Neubau- und Ausbauprojekte, also die Verbreiterung bestehender Straßen. Für den Erhalt der Straßen wird zu wenig getan. 

Für die S-Bahn ist dagegen vergleichsweise wenig Geld eingeplant. Auch das merken wir. Der 10 Minuten-Takt ist auf der S3 jetzt sogar ausgesetzt und auf der S4 gar nicht in Sicht. Die Bestellung neuer Züge ist wohl für die Zeit nach dem Bau der 2. Stammstrecke vorgesehen. Bis dahin werden die alten Olympia-S-Bahnen wieder hergerichtet. Auf Bayern gesehen ist der Ausbau der 2. Stammstrecke in München ein Desaster. Überall fehlt Geld, für den Ausbau des regionalen Nahverkehrs, weil in München dieses Mammutprojekt vorangetrieben wird, deren Wirkung für die Verbesserung auch noch in Frage steht. So können dann eigentlich nicht wesentlich mehr Personen befördert werden als heute und statt alle 10 Minuten fährt die S-Bahn bestenfalls alle 15 Minuten. Für den Radverkehr, der mit der rasanten Zunahme der Anzahl E-Bikes und Pedelecs auch neue Anforderungen an die Fahrradwege stellt, ist gar nur Geld in homöopathischen Dosen eingeplant. Ein überzeugender und rascher Ausbau für diese umweltfreundliche Verkehrsart ist so nicht möglich. – Ein Blick für die Landesgrenzen zeigt allerdings, dass Politik auch anders kann. Wien und Kopenhagen sind hier gute Beispiele. Der Unterschied zum 365 EUR Ticket in Wien zu der von Ministerpräsident Söder vorgeschlagenen Variante liegt darin, dass in Wien gleichzeitig der Autoverkehr massiv eingeschränkt wurde. Und es gibt dort einen guten Mix von U- und S-Bahnen, aber auch sehr vielen Straßenbahnen, die nicht nur sternförmig ins Zentrum weisen, sondern auch Querbeziehungen ermöglichen. Für München und das Umland muss man fürchten, dass eine signifikante Mehrung der Fahrgastzahlen zu einem Kollaps des Systems führt, denn bereits heute sind die Bahnen überfüllt und herrscht morgens am Hauptbahnhof der Ausnahmezustand, wenn man in die U-Bahn umsteigen möchte. Da reichen allein die Treppen und Zugänge zum Gleis nicht mehr für die Massen. Markus Büchler hat aber auch etliche Lösungsvorschläge mitgebracht, wie aus Sicht der GRÜNEN vorgegangen werden sollte. Die Straße den Bürgerinnen und Bürgern zurückgeben, mehr Raum für ein Nebeneinander schaffen, das Tempo innerorts herausnehmen. Platz schaffen für Fuß- und Radverkehr. Ausbau von Radschnellwegen. Und Schaffung von Querbeziehungen zwischen den Orten über den Ausbau von Straßenbahnlinien. Auch unkonventionelle Ideen sollten nicht von vornherein ausgeschlossen werden. So gibt es schon erfolgreiche Modelle für Seilbahnverbindungen, die dort gebaut werden können, wo es für Straßen oder Schienen schon keinen Platz mehr gibt. Und sie lassen sich schnell realisieren. Mit einer regen Diskussion endete der Abend, der Bilder in den Köpfen der Besucher*innen zurückließ, mit Ideen für eine neue Definition von lebenswerten Städten und Möglichkeiten für den Ausbau von klimafreundlichem Verkehr und den notwendigen politischen Rahmenbedingungen.

URL:http://www.gruene-groebenzell.de/home/slider-single/article/immer_mehr_verkehr_was_tun/